Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 – 11 unterstützen individuell Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 – 7 da, wo Eltern und Lehrkräfte die falschen Ansprechpartner wären.
Der Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule, insbesondere zum altsprachlichen Gymnasium, ist mit vielen kleinen und großen Herausforderungen verbunden: die Anreise in (meist) einen anderen Stadtteil, das große Gebäude, die neuen Klassenkameraden, die vielen verschiedenen Fächer und Lehrerinnen und Lehrer und damit verbunden die organisatorischen und fachlichen Anforderungen.
Viele unserer Schülerinnen und Schüler sind diesen Anforderungen gewachsen, aber eben nicht alle. Und um mit den vielen kleinen Sorgen des Alltags umzugehen, wurde das Coachingprogramm eingerichtet. Dabei werden einzelne Schülerinnen oder Schüler der oberen Mittel- oder Oberstufe mit einzelnen der Orientierungsstufe gepaart, um sie dabei zu unterstützen. Dazu treffen sie sich in der Regel einmal in der Woche im Rahmen des Ganztagsprogramms. Die Themen sind sehr breit gefächert. Oft geht es um die Hausaufgaben- und Lernorganisation, ebenso um Motivation, aber auch um soziale Sorgen, sei es, dass ein Fünftklässler gern beim Tischtennis mitspielen würde und sich nicht recht traut zu fragen, sei es, dass die Eltern einer Sechstklässlerin sich gerade trennen, sie ein offenes Ohr braucht, und außerdem nicht immer weiß, in welchem Haushalt nun gerade ihre Materialien liegen.
Manche Probleme können Eltern und Lehrkräfte nicht lösen – weil sie eben Eltern und Lehrkräfte sind. Eine Schülerin berichtete, dass sie sich jeden Tag bis zu einer Stunde mit ihrer Mutter streitet, wann welche Hausaufgaben zu machen sind; mit einer geeigneten Coachin war das Problem schnell und effektiv gelöst. Das liegt vor allem daran, dass Lernen (in jeglicher Hinsicht) nicht allein und isoliert, sondern in Beziehung geschieht, so dass sympathische Coaches als „Motivationsdroge Mensch“ wirken können.
Die Coaches werden zum Ende der achten Klasse ausgewählt und zu Beginn der neunten Klasse ausgebildet. Die Ausbildung der Coaches läuft modular und umfasst die Module Motivation und Kommunikation, Neurobiologie des Lernens, Bedürfnisse, Medien, AD(H)S und Body- and Breathwork. So können beide Seiten intensiv vom Programm profitieren: Die Coaches lernen, ihr eigenes Lernen zu reflektieren und womöglich auch effizienter zu organisieren, die Mentees werden von gut vorbereiteten Coaches begleitet.
Frau Schmidt von der Praxis für integrative Lerntherapie bildet die Coaches (und einige Eltern) für den Umgang mit Kindern mit AD(H)S aus.
Nun, alle klugen Gedanken, die wir uns machen, sind letztlich doch weniger wert als die konkreten Erfahrungen, von denen unsere Schülerinnen und Schüler berichten können. Deshalb sollen exemplarisch zwei Schülerinnen zu Wort kommen.
Perspektiven von Coaches und Mentees
Coach
Als ich das erste Mal vom Coaching erfahren habe, dachte ich mir: „Das teste ich mal aus, schaden kann es ja nicht.“ Und nach vier verschiedenen Mentis kann ich mit Überzeugung sagen, dass es eine tolle Erfahrung war/ist, und ich viel daraus gelernt habe. Ich habe einfach Freude daran, jüngeren Schülern etwas über meine Erfahrungen aus den letzten Jahren zu erzählen und ihnen bei ihren Problemen weiter zu helfen. Es freut mich, dass ich etwas bewirken kann, und etwas dazu beitrage, unsere Schule zu einem angenehmeren Ort zu machen. Die schönsten Momente im Coaching sind immer, wenn mein Menti etwas daraus mitnimmt und einen Tipp umsetzt, den ich ihm gegeben habe. Schüler nehmen oft mehr mit, wenn sie mit älteren Schülern reden statt mit Lehrern oder ihren Eltern. Als Coach kann man sich meist noch etwas mehr in die Lage eines Fünftklässlers hineinversetzten. Wir sitzen noch alle „im selben Boot“, und ich kann mich selbst noch gut erinnern, wie verwirrend teilweise die Schule am Anfang für mich war. Durch das Material und die Unterrichtsstunden, die wir als Coaches extra bekommen haben, konnte ich viel über mich selbst lernen und in der Praxis viel davon anwenden. Ich empfehle es definitiv weiter, sich als Coach zu engagieren, da sowohl die Mentis als auch man selbst so viel daraus mitnimmt und es eine prägende Erfahrung ist.
Mentee
Hi,
ich bin gerade in der 8. Klasse und erzähle euch jetzt etwas über das Coaching am Rama.
Als ich in der 6. Klasse war, konnte ich mich nicht so gut organisieren, was die Schule betraf. Deshalb haben meine Eltern und ich uns überlegt, dass ich mal das Coching am Rama ausprobieren könnte. Wir haben dann Herrn Dr. Hollmann angesprochen, durch den wir auch davon erfahren haben. Er hat mich am Programm angemeldet und kurz darauf hatte ich auch schon ein Treffen mit meiner Coachin und Herrn Dr. Hollmann, damit wir uns kennenlernen. Nachdem wir uns vorgestellt hatten, haben wir unser erstes Treffen vereinbart. Sie war mega nett!!!
Was in der Coaching – Zeit zum Angenehmen beigetragen hat, war auf jeden Fall meine Coachin und ihre Art. Ich konnte jede Frage bezüglich Schule zum Coaching mitbringen und auch außerhalb des Coachings zu ihr kommen. Sie hat es nicht als Unterricht oder als Nachhilfe zum Thema „Organisation“ gestaltet, sondern eher als lockere und entspannte Fragestunde, in der man unterstützt wird. Das fand ich sehr gut und hilfreich!
Jetzt erzähle ich euch noch ein kleines bisschen zum Ablauf: Wir haben zuerst unsere Nummern ausgetauscht, um uns auch mal absagen oder es verlegen zu können, wenn man sich bis zum Treffen nicht mehr gesehen hat. Wir haben uns einmal in der Woche getroffen. Dann konnte ich die Fragen stellen, die ich mitgebracht hatte, mit ihr für Arbeiten lernen und mir natürlich auch bei den Hausaufgaben helfen lassen. Aber das Wichtigste war, dass sie mir auch gezeigt hat, wie ich strukturiert arbeiten kann. Wir haben beispielsweise Wochenpläne erstellt, indem wir den Stoff auf Wochentage aufgeteilt haben, überlegt wie ich am besten Vokabeln lernen kann oder eben den Stoff besprochen.
Nebenbei, an alle Eltern und Schüler, für die sich das jetzt unnötig anhört: ich kann euch versprechen, das ist es nicht. Ich kann mich mittlerweile super strukturieren und habe wirklich nur gute Noten! Natürlich ist es nicht nur für Leute, die schlechtere Noten haben. Ganz im Gegenteil, ich hatte auch früher schon gute Noten. Aber es hat mir sehr geholfen, sodass ich mehr Zeit für anderes habe.
Und auch an die, die sich fragen, warum sie das besser als andere können sollten: Die Coaches machen einen Kurs bei den Lehrern mit, um zu lernen, wie sie einem am besten helfen können. Außerdem ist es kostenlos! 🙂
Nach einiger Zeit haben wir einfach langsam aufgehört uns zu treffen, denn man hat gemerkt, wann man bereit ist, sich selbstständig zu strukturieren. Im Großen und Ganzen kann ich es jedem nur empfehlen, weil es euch viele Probleme lösen kann und ich hoffe, dass ich euch die Entscheidung leichter mache. 🙂
Coach und Mentee im Einsatz







