Niederlande – Austausch „Anne-Frank-Begegnung“

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Auf Initiative des ehemaligen niederländischen Landesschülerpfarrers der Ev. Kirche in Hessen und Nassau Harmjan Dam und des Schulseelsorgers am Rabanus-Maurus-Gymnasium Sönke Krützfeld entstand 1998 eine Begegnung zwischen dem Groene Hart Lyceum in Alphen aan den Rijn und dem Rabanus-Maurus-Gymnasium in Mainz.

Seit dem Jahr 2000 leitet Pfarrer Dr. Dirk Kutting als ev. Schulseelsorger (seit 2005 mit Fr. StR’ Maria Knapp) diesen Austausch für die deutsche Seite. Für die Niederlande organisieren die Deutschlehrer Renate van der Vegt und Henk van Rhijn die Begegnung. An dem Austausch nehmen an jeweils 5 Tagen in Alphen und Mainz jeweils 13-15 holländische und deutsche Schüler und Schülerinnen teil, zusammen mit den vier Lehrerinnen und Lehrern bildet sich also jeweils eine 30-34 köpfige Gruppe der Klasse 9 und 10.

Warum stellen wir ANNE FRANK in den Mittelpunkt der Begegnung?


Bei unserer Fahrt nach Alphen steht immer ein Besuch des ANNE FRANK HAUSES in Amsterdam auf dem Programm. Dies ist an sich schon beeindruckend, besonders für die deutschen Schüler, für die oft die Person ANNE FRANK weniger präsent ist, als für die holländischen Schüler. Wir dachten, wenn wir schon nach Amsterdam ins ANNE FRANK HAUS nach Amsterdam fahren, dann müssen wir uns auch auf eine Spurensuche in Frankfurt/M begeben. Daher haben wir in leichten Variationen folgendes Programm für den Mainzer Teil der Begegnung entwickelt und durchgeführt:

  • Mit den Teilnehmer/innen aus Mainz sehen wir uns im Vorfeld der Begegnung den Film „Das kurze Leben der ANNE FRANK“ an. Wir unterhalten uns mit den Schülern über ihre Leseerfahrung mit dem TAGEBUCH DER ANNE FRANK.
  • In Frankfurt suchen wir am Börneplatz die kleine Stele mit ANNE FRANKS Namen. Die Stadt Frankfurt hat hier auf dem ehemaligen jüdischen Viertel umstrittener Weise die Stadtwerke gebaut. Im inneren befinden sich einige renovierte Überreste. Der kleine alte jüdische Friedhof ist erhalten. In der Mauer des Friedhofs befinden sich unzählige kleine Stelen mit den Namen aller jüdischer Frankfurter Bürger, die während der Zeit des deutschen Faschismus ermordet wurden.
  • Dann suchen wir das Geburtshaus von ANNE FRANK im Marbachweg 307 im Dornbusch-Viertel. Das Haus sieht so aus wie auf alten Bildern, es befindet sich jedoch keinerlei Hinweis auf ANNE FRANK an dem Haus. Die Schüler beginnen laut zu denken: Wer da wohl heute wohnt? Ob die Bewohner wissen, dass hier ANNE FRANK geboren wurde? Würde ihnen der Name überhaupt etwas sagen? Wenn ja, was würden sie empfinden?
  • Ein hervorragender Ort zum Nachdenken, Sprechen und Diskutieren ist die Jugendbegegnungsstätte „ANNE FRANK“ (Frankfurt, Hansa Allee 150), die wir anschließend besuchen. Wir kennen kaum eine bessere interaktive Ausstellung. Die Schüler werden in die Ausstellung eingeführt. Es besteht Zeit, alleine und Gruppen einzelne Elemente der Ausstellung zu betrachten, bzw. zu untersuchen. Angeleitet von Frankfurter Pädagogik-Studenten, zu denen auch ausländische Studierende gehören, wird miteinander diskutiert und in Interaktionsspielen an zentrale Fragen der Ausstellung herangegangen. Die Leitfragen der Ausstellung sind: WER BIN ICH? WAS GESCHIEHT MIT MIR? WAS IST MIR WICHTIG?
  • Diese Fragen werden in den nächsten Tag mitgenommen. In einem Gemeindehaus oder im „Dörfler Keller“ unserer Schule treffen wir uns und arbeiten anhand von Auszügen aus dem TAGEBUCH DER ANNE FRANK. Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit zu sehen, dass die existentiellen Fragen, die ANNE FRANK in ihrem Tagebuch stellt zum Teil auch ihre Fragen sind. Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgrund der Situation im Versteck werden unter der Frage „WAS GESCHIEHT MIT MIR?“ besprochen.
  • Die Frage „WER BIN ICH?“ wird anhand einer „KUGELLAGERÜBUNG“ bearbeitet. Hier bilden die 13 deutschen Schüler einen inneren Kreis, die dreizehn holländischen Schüler sitzen in einem äußeren Kreis den deutschen gegenüber. Die Lehrer geben jeweils einen lebensweltlichen Impuls, z.B.: „Für mein Taschengeld muss ich jobben!“ „Zur Selbständigkeit muss man erzogen werden!“ „Ein Freund ist jemand, den auch meine Eltern mögen!“ „Aussenseiter in der Klasse sind an ihrer Situation meist selbst schuld!“ etc. D.h. jeder Deutsche Schüler hat am Ende der Übung einmal mit jedem Holländer eine persönliche Frage besprochen. Jeder Holländische Schüler bekommt  Gelegenheit ohne direkte Beobachtung durch Lehrer viel deutsch zu sprechen.
  • Die dritte Frage „WAS IST MIR WICHTIG?“ wird z.B. mit einem WERTEVERSTEIGERUNGSSPIEL bearbeitet. Die Gastpartner bekommen zu zweit eine Liste mit Werten, die sie in eine Rangordnung bringen. Daraufhin werden vier Gruppen gebildet wieder soll eine Rangordnung gebildet werden, nun für die Gruppe. Als Drittes wird dann eine Versteigerung der Werte durchgeführt. Jede Gruppe hat virtuell 1000 Euro, die sie setzen darf. Setzen wir alles auf einen Wert? Wollen wir lieber viele Werte? Am Ende der Versteigerung wird ausgewertet: Sind wir zufrieden mit den Werten, die wir bekommen haben? Haben wir die Werte bekommen, die wir wollten? Wie wäre es, in dem Land zu leben, in dem die ersteigerten Werte in Geltung sind? Würdet ihr lieber in einem Land leben, das die Werte einer anderen Gruppe hat? Gibt es Unterschiede zwischen Werten der Gruppen?
  • Die Begegnung ANNE FRANK beinhaltet natürlich auch ein Kulturprogramm: Stadtrundgang, Theaterbesuch, Miteinander Essen gehen, einen Ausflug planen.

Die Schüler haben gemeinsame Zeit auch ohne Lehrer und Eltern.
Insgesamt haben in den vergangenen acht Jahren mehr als 400 Schülerinnen und Schüler beider Länder an dem Austausch teilgenommen. Für alle Beteiligte (auch die Lehrer!) ist die Begegnung eine gute, bereichernde Erfahrung, bei der wir bisher keine Probleme im Miteinander hatten. Es sind tiefe Freundschaften gewachsen.

Januar 2011: Maria Knapp (StR') und Dr. Dirk Kutting für den Niederlandeaustausch

Alphen 2013

Die Ansprache der Schulleiterin Frau Asrid Schouten im PDF-Format.