China

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Der Austausch 2015, ein Jubiläumsbericht:

10 jähriges Jubiläum unseres Schüleraustauschs mit China

Im Sommer 2005 besuchte eine chinesische Schülergruppe der Xiaoshan Gaoqiao Junior Middle School aus der Millionenstadt Hangzhou (ca. 200 km von Shanghai entfernt) das Rabanus-Maurus-Gymnasium. Einige Monate später machten sich Schülerinnen und Schüler unserer Schule zum Gegenbesuch auf und stiegen in ein Flugzeug, das sie ins Reich der Mitte bringen sollte. Es war ein wagemutiges Pilotprojet, das vor 10 Jahren von dem Schulleiter Herrn Dr. Bietz und Herrn Cron initiiert, seit 2006 von der Schulleiterin Frau Noll-Ziegler und Herrn Klein motiviert aufgenommen und zu einem regelmäßig stattfindenden Schüleraustausch ausgebaut wurde. So fahren inzwischen alle zwei Jahre Schülergruppen beider Schulen in das Gastland, um eine Woche lang, untergebracht in den Familien ihrer Austauschpartner, Sitten, Gebräuche und Lebensgewohnheiten hautnah zu erfahren, und dann in der zweiten Woche auf einer Rundreise durch verschiedene Städte, in Begleitung eines Dolmetschers, die Kultur und Geschichte Chinas aus einem eher touristischen Blickwinkel kennenzulernen. Im Laufe der Zeit hat sich ein herzlicher und stabiler Kontakt zwischen beiden Schulen entwickelt.
2015 feierten wir das zehnjährige Jubiläum unserer Schulpartnerschaft. Als Frau Noll-Ziegler mich vor einem Jahr bat, für den diesjährigen Austausch verantwortlich zu zeichnen, weil Herr Klein, der den Austausch seit vielen Jahren kompetent und souverän organisierte, sich in Elternzeit befand, stellte ich mich trotz eines etwas unsicheren und flauen Gefühls dieser Herausforderung. Auf die Reise in einen so fernen Kulturkreis war ich sehr gespannt, und Buchtitel wie „Kulturschock China“ und „Gebrauchsanweisung China“ verstärkten diese Spannung in der Vorbereitungsphase.
34 chinesische Schülerinnen und Schüler kamen in Begleitung von vier Lehrkräften am 8. Juli 2015 nach Mainz. Der Empfang war herzlich und ich empfand unsere Gäste als sehr freundlich und liebenswürdig. Bei unseren abendlichen Essen mit ihnen haben wir viel gelacht und lernten, dass man sich in China mit „xiè xiè!“ oder „gān bēi!“ zuprostet, eine Sitte, die wir - noch verstärkt – bei unserem Besuch in China erleben durften.
Eine Woche lang verbrachten sie bei herrlichem Sonnenschein eine sehr schöne Zeit in Mainz. Wir hatten ein abwechslungsreiches Ausflugs- und Besichtigungsprogramm für sie zusammengestellt: Besuch des Gutenbergmuseums, Schifffahrt auf dem Rhein mit Besichtigung des Niederwalddenkmals und der Städte Rüdesheim und Assmannshausen, Führung durch das Stadion vom Fußballverein Mainz 05, Ausflug nach Frankfurt (Palmengarten, Zeil, Senckenbergmuseum, Main Tower) sowie Unterricht im Rabanus-Maurus-Gymnasium in den Fächern Musik, Kunst und Sport. Mit Shanshan Wang hatten wir eine junge chinesische Übersetzerin zur Seite, die uns die Verständigung ermöglichte. Das Kollegium unterstützte uns tatkräftig. Viele Kolleginnen und Kollegen erklärten sich bereit, einen Ausflug zu begleiten. Oft waren es diejenigen, die selbst schon einmal an einem Chinaaustausch teilgenommen hatten.
Die Krönung des Aufenthaltes war zum einen sicherlich ein Abendessen im traditionellen Weinhaus Wilhelmi, zu dem die Schulleiterin, Frau Noll-Ziegler, die beteiligten deutschen und chinesischen Lehrkräfte und Mitglieder des Schulelternbeirats geladen hatte, zum anderen aber das Abschiedsgrillfest für alle im Schulhof, bei dem die deutschen Familien unseren chinesischen Gästen ein vielfältiges Buffet mit regionalen Gerichten bereiteten. Die musikalischen Beiträge kamen von beiden Seiten. Als Abschiedsgeschenk des Schulelternbeirats überreichte Herr Neuhaus unter großem Jubel der Umstehenden den chinesischen Lehrkräften je einen Schal des Fußballvereins Mainz 05. Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns, teils unter Tränen, von unseren Gästen, die ihre Reise über Heidelberg, Paris, Brüssel, Luxemburg und Köln fortsetzten. In Mainz brachen bald die Sommerferien an.
Ein Vierteljahr später, vom 23. Oktober bis 6. November 2015, fand der Gegenbesuch in China statt: 34 Schülerinnen und Schüler des Rabanus-Maurus-Gymnasiums verbrachten mit Herrn Middendorf, Frau und Herrn Cron und mir eine Woche in Hangzhou und eine Woche in den Städten Shanghai, Suzhou, Wuxi und Peking.
Besonders beeindruckend für die Schülerinnen und Schüler aus Deutschland war die Zeit in den Familien: das Essen ungewöhnlich, die Betten hart und die Lebensgewohnheiten doch sehr verschieden im Vergleich zu den unsrigen. Die Gäste lernten zum Beispiel, dass die chinesischen Schülerinnen und Schüler meist bis spät in die Nacht für die Schule arbeiteten, so dass abendliche Unternehmungen mit deren Eltern stattfanden. Ihre chinesischen Austauschpartnerinnen und Austauschpartner begegneten ihnen voller Herzlichkeit. Reich beschenkt mit Drachenbrunnentee aus Hangzhou, kompletten Teeservices, Kalligraphie-Sets und teils individuell angefertigter Kleidung aus Seide traten sie später den Heimweg an.
Unser Schulbesuch in der Hangzhou Xiaoshan Gaoqiao Junior Middle School mit ihren 2000 Schülerinnen und Schülern war für uns besonders einprägsam. Eine melodiöse Entspannungsmusik über Lautsprecher das ganze Gelände beschallend zeigt dort die kleine Pause an. In der großen Pause hingegen drehen ganze Jahrgänge von in Schultrainingsanzügen gehüllte Teenager zu lauter Militärmusik auf dem zentralen schuleigenen Sportplatz ihre Runden, um anschließend im Mittelfeld in Reih und Glied aufgestellt im Gleichklang Liegestütze zu absolvieren. In der Schule und im Wirtschaftsschulzentrum lernten wir die Vielfalt der chinesischen Kultur kennen: Wie läuft eine Teezeremonie ab? Woraus bestehen die traditionellen Gewänder? Welche Bräuche gibt es? Ferner bekamen wir eine praktische Einweisung in die Kunsttechniken des Scherenschnitts und der Töpferei, in Tai-Chi und Boxen, in Kalligraphie und traditionelle Musikinstrumentenkunde. Unsere Jungs – unterstützt durch einige Mädchen - kämpften hervorragend gegen die chinesischen Schüler in einem Basketball- und einem Fußballfreundschaftsspiel. Die erfolgreichen Wettkämpfer sahen sich anschließend von Scharen chinesischer Mädchen umringt, die um Autogramme auf Hefte oder Jacken baten.  Untereinander erfolgte die Kommunikation zwischen den Jugendlichen problemlos in englischer Sprache, deren nicht alle chinesischen Mütter und Väter mächtig waren.
Abends – wenn unsere Schülerinnen und Schüler bei ihren Gastfamilien waren – führten die chinesischen Lehrkräfte uns Begleitpersonen in gute Restaurants aus. Wir bekamen Spezialitäten zu probieren und selbst um mich als Vegetarierin sorgte man sich rührend, auch wenn man wohl nicht so recht verstand, wie man freiwillig auf Fleisch- und Fischspezialitäten wie Entenzungen, Quallen oder Peking-Ente verzichten könne. Gute Restaurants zeichnen sich dadurch aus, dass jede Gruppe von Gästen einen eigenen Raum mit einem großen runden Tisch gestellt bekommt und zwei Bedienstete ständig bereit stehen, um die Speisen nacheinander auf eine drehbare Glasplatte zu stellen, von der man sich mit Stäbchen die Delikatessen nach und nach herunternehmen kann. Trotz dieser guten Betreuung und der komfortablen Unterbringung im Hotel beneidete ich schon ein wenig unsere Schülerinnen und Schüler um die Möglichkeit, das Leben in einer chinesischen Familie kennenzulernen, wahrscheinlich für alle eine einmalige Erfahrung.
Zu Beginn der zweiten Woche verabschiedeten wir uns von unseren Gastgebern, um zu unserer Besichtigungstour nach Shanghai, Suzhou, Wuxi und Peking aufzubrechen – mit Hangzhou alles Millionenstädte, die zusammen etwa so viele Einwohner wie ganz Deutschland haben.
Welche Eindrücke nehme ich aus den Städten mit? Die Fülle von Menschen, der meist graue Himmel, das laute Hupen auf den Straßen, Heerscharen von Elektrorollern, die bis zu vier Personen (allesamt ohne Helm) oder bis zum Fünffachen des eigenen Volumens an Gepäck beförderten, das unmittelbare Nebeneinander von heruntergekommenen armen und stinkenden Stadtvierteln und modernster Architektur, Dutzende gleichförmiger Wohntürme, von denen jeder eine Kleinstadt aufnehmen könnte. Aber auch Hochhaus und Wohnturm sind relative Größen: Es war sehr beeindruckend, beispielsweise in Shanghai auf dem 420m hohen Jinmao-Turm zu stehen und ganz klein unter sich Hunderte von Hochhäusern zu sehen, die sich bis zum Horizont weit erstrecken.
Herr Wu Dong, Vorstand der deutschen China-Gesellschaft, der für insgesamt 100 deutsche Schulen den Austausch koordiniert, hat uns ein sehr vielfältiges und interessantes Besichtigungsprogramm zusammengestellt. In Hangzhou und Umgebung besuchten wir den orientalischen Kultuspark, die alte Stadt Fuyang, eine Wirtschaftsschule, den Westsee, die Kulturstraße, das Teemuseum, das Wasserwirtschaftsmuseums, den Xiang-See und das Kuahuqiao-Museum. In Shanghai-Pudong ging es mit dem Aufzug auf den Jinmao-Turm und anschließend auf die andere Seite nach Shanghai selbst, um uns in das Getümmel der Nanjing-Road zu stürzen und den Bund, die Altstadt, den Yu-Garten mit der Zickzack-Brücke, das Perlenmuseum sowie das Shanghai-Museum zu besichtigen. Die nächtliche Bootsfahrt auf dem Huangpu-Fluss wird uns allen durch die herrlich illuminierten Gebäude noch lang in Erinnerung bleiben. In Suzhou bezauberte der Panmen-Garten und wir erhielten im Seidenmuseum Einblicke in die Seidenproduktion. Eine Bootsfahrt auf dem Kaiserkanal und ein Bummel auf der Shantang-Straße, in deren Seitenstraßen man noch Quacksalber und Zahnärzte unter freiem Himmel ihre Behandlungen ausüben sah, rundeten den Besuch ab. Weiter ging es nach Wuxi, wo wir durch den Xihui-Park und den Liyuan-Garten spazierten und eine Bootsfahrt auf dem Tai-See unternahmen, bevor wir den Nachtzug nach Peking bestiegen. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tian’anmen-Platz) warteten Tausende von Chinesen viele Stunden geduldig vor dem Mao-Mausoleum, um an dem dort aufgebahrten Leichnam von Mao Zedong vorbeidefilieren zu dürfen. Gleich nebenan beeindruckte der Kaiserpalast (die Verbotene Stadt) durch seine Größe und Weitläufigkeit. Wir besichtigten den Himmelstempel, bummelten und feilschten auf dem Yaxiu-Markt, bevor es am nächsten Tag leider bei Regenwetter schließlich zum Olympiastadion „Vogelnest“, einem Jademuseum und zur großen Mauer bei Juyongguan ging. Zum Abschluss unserer Reise stand das Traditionsgericht „Peking-Ente“ auf dem Speiseplan.
Ich empfand diesen Austausch als eine durch die persönlichen Begegnungen, die Besichtigungen und die Auseinandersetzung mit der Geschichte und Kultur Chinas äußerst reiche Erfahrung, die Vorurteile abbauen half und sich nur durch das Erleben vor Ort in dieser Form einprägen konnte. Ähnliche Äußerungen entnehme ich den Berichten der mitgereisten Schülerinnen und Schüler, die durch Aufgeschlossenheit, Zuverlässigkeit und Kooperation sehr zum Gelingen der Reise beigetragen haben. Es war eine Freude, gemeinsam mit ihnen diese zwei Wochen China erlebt zu haben.
Zehn Jahre Schüleraustausch mit China: Vielen hat er den Blick geöffnet und Verständnis geschaffen für eine uns fremde Kultur, der sicher einige unserer Schülerinnen und Schüler später im Arbeitsleben wiederbegegnen werden. Insofern halte ich ihn für einen wichtigen Bestandteil unseres Schullebens und hoffe, dass wir auch weiterhin engagierte Kolleginnen und Kollegen motivieren können, einen solchen Austausch zu begleiten.


Stand 31.12.2015 | Dorothee Brömmling-Lewe, StD’

Der Austausch 2011, ein Gesamtbericht:

Die erste Woche unserer zweiwöchigen Chinareise (10.10.2011-24.10.2011) verbrachten wir in unseren Gastfamilien in Hangzhou. Hangzhou ist eine 8-Millionen-Einwohner starke Provinzstadt 150 Kilometer südöstlich von Shanghai. In dieser Woche wurde uns sowohl von den Gasteltern als auch von der Schule ein vielfältiges Programm geboten. So besuchten wir unter anderem die World Leisure Expo in Hangzhou, ein Seidenmuseum, ein Teemuseum und den bekannten West-Lake, dank dem Hangzhou in China auch als Paradies auf Erden angesehen wird. Eindrucksvoll war auch der Besuch der sogenannten "Arbeitsbasis" einer Art Freizeiteinrichtung, die chinesische Kinder drei Mal während ihrer Schullaufbahn besuchen können. Hier wird unter anderem traditioneller Scherenschnitt, töpfern und Teezubereitung gelehrt. Zu unserem Erstaunen konnten wir auch Unterricht in militärischer Praxis beobachten.

Das Wochenende verbrachten wir in den Gastfamilien, die verschiedene Ausflüge für uns organisierten. Nach dem Abschied von unseren Austauschpartnern trafen wir die Schülerinnen der Maria-Ward-Schule, mit denen wir einen weiteren Tag in Hangzhou verbrachten. Daraufhin fuhren wir mit ihnen nach Shanghai, wo wir den Bund und den YuYuan Garten besichtigten bevor wir den Rest des Tages zum Shoppen nutzen konnten. Am nächsten Tag führte uns die Reise, nach dem Besuch einer Perlenfabrik in Shanghai, nach Suzhou, dem Venedig Chinas. Dort schlenderten wir nach einer Bootstour und der Besichtigung eines UNESCO-Weltkulturerbe-Gartens und einer Seidenfabrik durch die Altstadt.

Mit dem Nachtzug fuhren wir nach Peking, der letzten Etappe unserer Reise.
Teil unseres Programms war die Besichtigung des Tiananmen Platzes, der Verbotenen Stadt, des Himmelstempels, des Sommerpalasts und eine zweistündige Wanderung auf der Chinesischen Mauer. Am letzten Tag unserer Reise hatten wir die Möglichkeit einen Blick in das Olympiastadion, "Vogelnest", zu werfen, woraufhin wir, vom Flughafen Peking aus, erfüllt von den Erfahrungen und Eindrücken der letzten 2 Wochen, die Rückreise antraten.

Stand November 2011 | Carmen Herr, Caroline Hammacher (Jahrgang 12) für den China-Austausch

China in Mainz 2017

Die Austauschgruppe auf dem Schulhof des RaMa.
Die Austauschgruppe auf dem Schulhof des RaMa.

China-Austausch 2015

Die Gruppen vor dem Mainzer Schloss
Die Gruppe in China
Himmelstempel
Die Mainzer in traditioneller Kleidung
Kalligraphie im Park
Kampfkunst für die Mainzer
Ja es hat geschmeckt!

Die Gruppe von 2011

RaMa und MaWa vor dem Fernsehturm in Shanghai