Leseförderung am RaMa

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Was ist Leseförderung?

Der Begriff „Leseförderung“ kann auf zweierlei Weise verstanden werden:
1. als Förderung der Fertigkeit des Lesens schlechthin,
2. als Förderung der Lesefreude und Steigerung der Lesemenge.

Beide Lesarten spielen am RaMa ihre wichtige Rolle.

Die erste Lesart ist ein Kern allen schulischen Handlens ab der Grundschule. Speziell am RaMa erwerben die Schülerinnen und Schüler im Unterricht durch den sprachlichen Schwerpunkt an unserer Schule in erhöhtem Maße Fertigkeiten, mit Texten umzugehen.

Die zweite Lesart wird sowohl im als auch außerhalb des Unterrichts berücksichtigt. In der Öffentlichkeit wird fast immer nur gefordert, das Lesen fiktionaler Texte zu fördern. Dabei wird übersehen, dass Sachtexte ebenso wichtig, in machen Entwicklungsphasen der Kinder so gar wichtiger sind.

Leseförderung im Unterricht
Besonders in den Jahrgangsstufen 5 und 6 haben Buchvorstellungen und gemeinsames Lesen von fiktionalen Texten eine lange Tradition, die über den Lehrplan hinausgeht. Das leistet anfangs besonders das Fach Deutsch, später kommt Englisch mit ersten Lektüren hinzu. Das genaue Lesen wird in Fächern wie Latein trainiert, wo es auf das Beachten auch feiner Unterschiede der Wortbildung ankommt, ebenso wie auch in Mathematik, wo ohne präzises Lesen z.B. einer Textaufgabe eine Lösung unmöglich ist.

Neben der Unterrichtslektüre gibt es das „extensive Lesen“, d.h., dass zwar alle einen Text lesen, sich aber kein erschließendes Unterrichtsgepräch anschließt, sondern ein Austausch von Eindrücken und Fragen.

Im Fach NaWi, das stark durch entdeckendes Lernen geprägt ist, erweitern die Kinder ihre Fertigkeiten durch das zunächst angeleitete, später selbständige Erschließen von Sachtexten.

Leseempfehlungen
In allen Fächern sind weiterführende Leseempfehlungen selbstverständlich. Oft bekommen Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, ihre private Lektüre in Form eines Vortrags, einer Präsentation einzubringen. Umgekehrt nehmen auch wir Lehrkäfte gerne Leseempfehlungen der Schülerinnen und Schüler an. So entwickelt sich oft ein Dialog über Lektüren außerhalb des Unterrichts.

Die Schulbibliothek
Das Angebot von über 19.000 Medieneinheiten aller Art und die langen Öffnungszeiten sind für sich schon eine Förderung des Lesens. Neben vielen fiktionalen Texten für alle Altersstufen und Interessensgebiete sind ein wohl gepflegter Schwerpunkt des Bestandes die Sachtexte, von denen besonders Jungen angesprochen werden, die für Romane nicht zu begeistern sind, und so auch im schwierigen Alter am Lesen gehalten werden. 

Im sogenannten Nahbereich der Bibliothek werden durch Ausstellungen von Büchern zu wechselnden Themen Schülerinnen und Schüler auf Lesestoff neugierig gemacht.

Die Bibliothek führt permanent eine gerne genutzte Vorschlagsliste, in der Anschaffungswünsche und –vorschläge der Schülerinnen und Schüler registriert werden. Diese werden in aller Regel auch realisiert, wenn im Herbst die Bibliothek ihren Etat bekommt. Diese Beteiligung der Kinder motiviert zu weidlichen Nutzung des Angebot: 2010 verbuchten wir 2500 Buchausleihen. Dabei sind die Nutzungen innerhalb des Schulgeländes nicht mitgezählt, also z.B. Lektüren während der GTS-Zeit, in Freistunden, AGs oder in Unterrichtsprojekten.

Leseclubs
Seit über 20 Jahren gibt es von der Schule koordinierte und von Müttern geleitete Leseclubs, die die unterschiedlichsten Aktivitäten rund ums Lesen anbieten. Diese reichen vom gegenseitigen Vorlesen über Bastelarbeiten, Hörspiele, szenisches Spiel, selbstgeschriebene Texten bis hin zu gemeinsamen Theater- oder Kinobesuchen.

U.a. wird jedes Jahr für die Kinder, die am Ganztagsangebot teilnehmen, ein eigener Leseclub angeboten, der von vielen Schülerinnen und Schüler gewählt wird.

Vorlesewettbewerb
Alle Kinder der Jahrgangsstufe 6 können am Vorlesewettbewerb teilnehmen, was sie gerne und zahlreich tun. Dessen Vorbereitung fordert die Auseinandersetzung mit Texten und damit die Lesefreude. Die Klassensiegerinnen und –sieger werden unter Beteiligung aller Kinder in den Klassen, die Schulsiegerinnen oder -sieger in einer Veranstaltung in der Schulbibliothek ermittelt. Die Jury besteht aus Lehrkräften, einem Mitglied der Schulleitung, der Vorjahressiegerin oder des –siegers sowie den Lesescouts.

Lesescouts
Die von der Stiftung Lesen ausgebildeten Lesescouts sind Schülerinnen und Schüler ab der Klassenstufe 8, die aktiv in der Bibliothek mitarbeiten. Sie gestalten z.B. für die neuen Sextaner eine spielerische Einführung in die Schulbibliothek oder bieten Lesungen in Klassen an. Sie gestalten den Nahbereich der Bibliothek mit und beraten Schülerinnen und Schüler bei der Auswahl von Lesestoff.

Offene Unterrichtsformen
Im Rahmen des Erwerbs von Medienkompetenz wird die Fertigkeit der Kinder trainiert, sich Informationen in allen Printmedien verfügbar zu machen. Offene, projektorientierte Unterrichtssequenzen in fast allen Fächern im Alltag zwingen und motivieren Schülerinnen und Schüler von ihrer Lesekompetenz Gebrauch zu machen, um zu tragfähigen Ergebnissen ihrer Projektarbeit zu kommen (die ja letztendlich benotet werden).

Die offenen Unterrichtsformen erlauben ein differenzierendes Fördern der Lesefertigkeiten einzelner Kinder. Dabei wird das Lesen auch diskontinuierlicher Texte (bei denen in der PISA-Studie einst die deutschen Schülerinnen und Schüler schlecht abschnitten) gelernt und geübt.

Autorenlesungen
Es ist klar, dass schon aus finanziellen Gründen Autorenlesungen nicht zum Alltag der Schule gehören können. Wir nutzen aber jede Gelegenheit, die Schülerinnen und Schüler mit Verfassern aller Art in Kontakt zu bringen, weil der persönliche Bezug äußerst motivierend ist. Viele namhafte Autoren konnte das RaMa schon verpflichten: Erich Fried, Oskar Pastior, Ludwig Harig, Ralf Thenior, Deniz Greenberg (in Englisch), H.D. Schreeb u.v.a.m. Der SEB und der Freundes- und Fördererkreis unterstützen Lesungen finanziell. Gelegentlich konnten Autoren zu Workshops verpflichtet werden, z.B. Regina Rusch.

Die Lesungen sind oft nicht an ein Fach gebunden, sondern fördern den weiteren Blick, wie z.B. der Vortrag von Muhammad Yunus 2010 (in Englisch) motiviert Schülerinnen und Schüler zu den Werken der Besucher zu greifen.

Förderunterricht
In Deutsch gibt es eine Arbeitsgemeinschaft, für die Lehrkräfte Schülerinnen und Schüler empfehlen, deren Fertigkeiten im Umgang mit der Sprache eine verstärkte Förderung fordern. Oft ist die Verbesserung der Lesefertigkeit dort der erste Schritt zu einer verbesserten Mitarbeit im Unterricht.

Atmosphäre
Es ist erlaubt zu sagen, dass die Vielzahl der Maßnahmen am RaMa eine ausgesprochen lebhafte Atmosphäre des Lesens und sich darüber Austauschens schafft.

Stand: Februar 2011 | Kurt Cron, StD


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